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24 October 2010 @ 11:34 pm
Ah ! la belle morte, elle repose...
En Eden blanc son ange la pose.

Elle sommeille emmi les pervenches,
Comme en une chapelle aux dimanches.

Les cheveux sont couleur de la cendre,
Son cercueil, on vient de le descendre.

Et ses beaux yeux verts que la mort fausse
Feront un clair de lune en sa fosse.
La belle mort - Émile Nelligan
 
 
06 August 2010 @ 06:47 pm

Les Métamorphoses du vampire

La femme cependant, de sa bouche de fraise,
En se tordant ainsi qu'un serpent sur la braise,
Et pétrissant ses seins sur le fer de son busc,
Laissait couler ces mots tout imprégnés de musc:
— «Moi, j'ai la lèvre humide, et je sais la science
De perdre au fond d'un lit l'antique conscience.
Je sèche tous les pleurs sur mes seins triomphants,
Et fais rire les vieux du rire des enfants.
Je remplace, pour qui me voit nue et sans voiles,
La lune, le soleil, le ciel et les étoiles!
Je suis, mon cher savant, si docte aux voluptés,
Lorsque j'étouffe un homme en mes bras redoutés,
Ou lorsque j'abandonne aux morsures mon buste,
Timide et libertine, et fragile et robuste,
Que sur ces matelas qui se pâment d'émoi,
Les anges impuissants se damneraient pour moi!»

Quand elle eut de mes os sucé toute la moelle,
Et que languissamment je me tournai vers elle
Pour lui rendre un baiser d'amour, je ne vis plus
Qu'une outre aux flancs gluants, toute pleine de pus!
Je fermai les deux yeux, dans ma froide épouvante,
Et quand je les rouvris à la clarté vivante,
À mes côtés, au lieu du mannequin puissant
Qui semblait avoir fait provision de sang,
Tremblaient confusément des débris de squelette,
Qui d'eux-mêmes rendaient le cri d'une girouette
Ou d'une enseigne, au bout d'une tringle de fer,
Que balance le vent pendant les nuits d'hiver.

Charles Baudelaire

 
 
09 April 2010 @ 12:16 am
An Melinde

Nicht schäme dich, du saubere Melinde
Daß deine zarte Reinlichkeit
Der feuchte Mond verweist in eine Binde
Und dir den bunten Einfluß dräut
Der große Belt hegt Ebb’ und Flut,
Was Wunder, wenns der Mensch der kleine tut.

Die Rötlichkeit bei deinen bunten Sachen
Hat niemals deinen Schoß versehrt.
Wie Muscheln sich durch Purpur teuer machen,
So macht dein Schneckenblut dich wert.
Wer liebt ein Tintenmehr wohl nicht,
Weil man daraus Korallenzinken bricht?

Nur einmal bringt das ganze Jahr uns Nelken
Dein Blumenbusch bringt’s monatlich,
Dein Rosenstrauch mag nicht verwelken,
Sein Dorn, der hält bei dir nicht Stich,
Denn was die sanften Blätter macht,
Das ist ein Tau von der Johannisnacht.

Kannst du gleich nicht die Lenden hurtig rühren,
Lobt man dich doch im Stillestehn,
Der Augen Blau wird leichtlich sich verlieren,
Dann wirst du sein noch eins so schön.
Man sammelt, spricht die ganze Welt,
Viel bessre Frucht, wenn starke Blüte fällt.

Laß mich darum noch keine Fasten halten.
Ein König nimmt den Schrank zwar ein,
Doch muß er fort, wenn sich die Wasser spalten,
Der Geist muß ausgestoßen sein.
Man geht, wie jedermann bekannt,
Durchs rote Meer in das gelobte Land.

Christian Hoffmanns von Hoffmanswaldau

 
 
13 February 2010 @ 05:33 pm
Aleksandr Puškin

Die Rusalka

Im Waldesgrund, am Seegestade,
Erflehte ein Anachoret
Für seine Sünden Gottes Gnade
In Arbeit, Fasten und Gebet.
Schon grub sich eine Grabesstätte
Der greise Mönch mit müder Hand,
Voll Sehnsucht, daß die Seele rette
Sich bald in Edens Friedensland.

Einst sprach vor der vermorschten Hütte
Der Mönch bei Sonnenniedergang
Zum Himmel seine fromme Bitte.
Stumm stand der Wald, der Nebel sank
Und wallte ob den düstern Wogen.
Nun strahlte lichte Mondesglut
Von dem umwölkten Sternenbogen
Und silbern schauerte die Flut.

Da faßt ein unerklärlich Grausen
Des Mönches Brust, er atmet schwer . . .
Urplötzlich wogt der See im Brausen,
Und grabstill wieder wird's ringsher.
Und siehe! Zart wie Mondstrahlgluten,
Weiß wie der Schnee auf Bergesgrat,
Entsteigt ein nacktes Weib den Fluten
Und setzt sich schweigend ans Gestad.

Sie strählt die taubeperlten Locken
Und blickt ihn heimlich seltsam an.
Den Schlag des Herzens fühlt er stocken
Bei ihrer Reize Zauberbann.
Er sieht sie mit der Hand ihm winken;
Sie senkt das Haupt, harrt regungslos –
Und schimmernd, wie ein Stern im Sinken,
Verschwindet sie im Wellenschoß.

Die Nacht wich schlummerlos von hinnen,
Gebetlos strich der Tag vorbei –
Vor des verstörten Greises Sinnen
Stand traumhaft schön die Wasserfei.
Und wieder ruht der Wald im Dunkel,
Und wieder aus dem Flutenreich
Taucht in des Mondenlichts Gefunkel
Die Maid berauschend schön und bleich.

Sie nickt ihm zu, sie lacht so helle,
Sie schickt ihm Küsse, lockt und minnt,
Sie spritzt nach ihm die Silberwelle,
Sie schmollt und weint, ein loses Kind,
Sie seufzt und blickt zum Sternenbogen,
Sie flüstert : „Mönch, zu mir, zu mir!“
Und jach verschlingen sie die Wogen,
Und Schweigen herrscht im Waldrevier.

Am dritten Tag saß liebentglommen
Der Eremit am öden Strand
Und harrt auf der Russalka Kommen;
In Dunkel hüllte sich das Land . . .
Und als der Sonne Purpurgluten
Die Nacht verscheucht, da ward die Schar
Der Fischerkinder in den Fluten.
Nur einen greisen Bart gewahr.

1819

Alexander Sergejewitsch Puschkin,
Gesammelte Werke. Erster Band,
Gedichte. Frankfurt a. Main 1973.
Übertragung: Friedrich Fiedler
 
 
mondsüchtig: calmcalm
 
 
17 November 2009 @ 07:03 pm
Die keuschen Mönche

Im Mondschein hastete ein Mönch dahin,
Nach heißem Ringkampf stand sein geiler Sinn:
Ein Hürchen unterm Mantel trug nach Hause
Er eiligst hin zu seiner stillen Klause.

Ihn traf ein Brunder, vorgerückt an Jahren,
Der selbst im Venusdienste wohl erfahren.
Der sah ihr weißes Bein, das nicht verstecket,
Da es zum Teil die Kutte nur bedecket.
Er sprach:"Warum, wohin so eil'ge Schritte?
Auch sage mir, geliebter Frater, bitte,
Was ist denn diese gar so schwere Last
Die unterm Mantel du verborgen hast?"

Der sprach, es sei das Zaumzeug von dem Pferde,
Mit dem er frih auf Reisen gehen werde.
Dem Greis ob dieser List das Lächeln kam;
Er scherzte "Pack nur gut ihn ein, den Kram,
Denn wenn die Brüder diesen Sattel sehen,
So woll'n alle auf ihm reiten gehen."

Johann Stigel
 
 
 
22 March 2009 @ 11:12 pm
What Counsel Has the Hooded Moon

What counsel has the hooded moon
Put in thy heart, my shyly sweet,
Of Love in ancient plenilune,
Glory and stars beneath his feet
A sage that is but kith and kin
With the comedian Capuchin?

Believe me rather that am wise
In disregard of the divine,
A glory kindles in those eyes
Trembles to starlight. Mine, O Mine!
No more be tears in moon or mist
For thee, sweet sentimentalist.

James Joyce
 
 
20 February 2009 @ 09:57 pm
Insomnia

The moon in the bureau mirror
looks out a million miles
(and perhaps with pride, at herself,
but she never, never smiles)
far and away beyond sleep, or
perhaps she's a daytime sleeper.

By the Universe deserted,
she'd tell it to go to hell,
and she'd find a body of water,
or a mirror, on which to dwell.
So wrap up care in a cobweb
and drop it down the well

into that world inverted
where left is always right,
where the shadows are really the body,
where we stay awake all night,
where the heavens are shallow as the sea
is now deep, and you love me.

Elizabeth Bishop
 
 
31 May 2008 @ 08:42 pm
Selbstmord

Wilde Fratzen Schneidet der Mond in den Sumpf
    und dumpf
    kreist die Welt.
Hätt' ich nur die Welt überstanden!
Damals als wir uns beide fanden
Blickte auch die Natur so gemein,
Aber dann kam der Sonnenschein
Und sang sein Strahlenlied
    Bis über den Norden.

Nun nagt der Maulwurf an Deinem Gebein,
In der Truhe heult die rote Katze.
Ein Kater schlich, sie lustzumorden
Aus vollmondblutendem Abendschein.
Wie die Nacht voll grausamer Sehnsucht blüht!
Der Tod selbst fürchtet sich nicht zu zwei'n
Und kriecht in seinen Erdenschrein,
Aber - ich pack' ihn mit meiner Tatze!

Else Lasker-Schüler, 1902
Zyklus: Styx
 
 
31 May 2008 @ 08:15 pm
Nur eine Rose als Stütze

Ich richte mir ein Zimmer ein in der Luft
unter den Akrobaten und Vögeln:
mein Bett auf dem Trapez des Gefühls
wie ein Nest im Wind
auf der äußersten Spitze des Zweigs.

Ich kaufe mir eine Decke aus der zartesten Wolle
der sanftgescheitelten Schafe die
im Mondlicht
wie schimmernde Wolken
über die feste Erde ziehen.

Ich schließe die Augen und hülle mich ein
in das Vlies der verläßlichen Tiere.
Ich will den Sand unter den kleinen Hufen spüren
und das Klicken des Riegels hören,
der die Stalltür am Abend schließt.

Aber ich liege in Vogelfedern, hoch ins Leere gewiegt.
Mir schwindelt. Ich schlafe nicht ein.
Meine Hand
greift nach einem Halt und findet
nur eine Rose als Stütze.

Hilde Domin, 1959
 
 
18 May 2008 @ 10:40 pm
Nun aber unter Lydiens Frauen ragte sie heraus,
wie nach dem Sinken der Sonne der rosenfingrige Mond
alle Sterne übertrifft und sein Licht ergießt
über das salzige Meer zugleich
auch über die blumengesegneten Fluren.

Sappho
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mondsüchtig: tranquil and lesbian